Saarland Nachrichten "Wir müssen Hass öffentlich machen und gegenhalten" Saarbrücken Nachrichten

nachrichteNews.com - Die Brandenburger Linken-Politikerin Andrea Johlige macht sich gegen Rechts stark - und ist selbst von Hasskriminalität betroffen. Sie hat ihren Weg gefunden, sich dagegen zu wehren. Von Jenny Barke

Saarland Nachrichten "Wir müssen Hass öffentlich machen und gegenhalten" Saarbrücken Nachrichten

nachrichteNews.com - Die Brandenburger Linken-Politikerin Andrea Johlige macht sich gegen Rechts stark - und ist selbst von Hasskriminalität betroffen. Sie hat ihren Weg gefunden, sich dagegen zu wehren. Von Jenny Barke

Saarland Nachrichten "Wir müssen Hass öffentlich machen und gegenhalten" Saarbrücken Nachrichten
28 Januar 2021 - 12:45

Aktuelle Nachrichten ! Als die Linken-Politikerin Andrea Johlige im September vergangenen Jahres eine Rede im Brandenburger Landtag hält, weiß sie noch nicht, wie viel Aufmerksamkeit und Ärger ihr diese einbringen wird. Nur knapp drei Minuten spricht sie - und erhält daraufhin 3.600 Kommentare. Doch die Rede steht nicht im Fokus der Kommentierer. Darin verteidigt Johlige antifaschistische Organisationen und Initiativen und bedankt sich für deren Engagement, nachdem die AfD zuvor einen Antrag eingebracht hat, in dem sie fordert, dass sich der Landtag von der Antifa distanziert. Im Fokus der Facebook-User steht stattdessen ihr Aussehen, ihr Geschlecht und ihr Alter. Die Bezeichnung "Rotfuchs" für die Linken-Politikerin, die mit ihren kurzen, grell rotgefärbten Haaren heraussticht, ist noch eine der harmloseren Beleidigungen. Die meisten der Angreifer beleidigen und bedrohen sie sexistisch. So einen Shitstorm habe sie zuvor noch nie erlebt, sagt Johlige. "Ich habe kurz überlegt, ob ich das lösche. Aber es ging um eine antifaschistische Rede, die kann ich nicht wegen ein paar Nazis löschen." Es sei genau das Ziel der Angreifer, so Johlige, ihre Gegner politisch mundtot zu machen. Stattdessen setzte die Linken-Politikerin zum Gegenangriff an. Gegen 55 Menschen stellte sie Strafanzeige. Mehr zum Thema rbb/Oliver Soos 2 min Fünf Jahre nach Brandanschlag in Nauen - Als wäre nichts passiert Johliges Wahlkreisbüro wurde zur Zielscheibe rechtsextremer Gewalt Andrea Johlige ist Landtagsabgeordnete in Brandenburg mit dem Schwerpunkt auf Migrations- und Integrationspolitik, hat unter anderem im NSU-Untersuchungsausschuss mitgearbeitet. Wegen ihres Einsatzes gegen Rechtsextremismus wird sie immer wieder zur Zielscheibe von Gewalt. 2015 wurde regelmäßig ihr damaliges Wahlkreisbüro in Nauen angegriffen. Die Täter verklebten die Schlösser der Eingangstür und Briefkästen, schlugen die Scheiben mit dem Hammer ein, beschmierten die Fassade mit Farbbeuteln. Einmal warfen die Angreifer sogar Eier mit toten Brutküken. Nauen ist deutschlandweit seit 2015 bekannt, als eine Turnhalle mal Flüchtlingsunterkunft hätte werden sollen. Doch dazu kam es nie, die Turnhalle wurde abgebrannt. Ein NPD-Aktivist wurde schließlich überführt und zu neun Jahren Haft verurteilt. Auch Mittäter sind zur Rechenschaft gezogen worden. Für Johlige eine Erleichterung, denn ein Teil der Tätergruppe sei auch für die Angriffe auf ihr Büro verantwortlich gewesen. Doch nicht immer würden die Ermittler so akribisch vorgehen. Johlige: Rechtsextreme Angriffe selten Einzeltaten "Viel zu selten findet eine Aufklärung im Umfeld statt", kritisiert die 43-Jährige. Das zeige sich nicht nur im Fall der Angriffe auf ihr Wahlbüro. "Wir sehen seit vielen Jahren, dass die Einzeltäter-These verschleiert, was dahinter steckt. Diese Diskussion hatten wir auch beim NSU und anderen rechtsextremen Taten", sagt Johlige. Und auch der aktuellste Fall, der Prozess um den Mord am Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke habe nicht genügend Aufklärung gebracht. Johliges Meinung nach werde der Eindruck erweckt, der Täter habe allein gehandelt. Dabei steht das auch im Fall Lübcke nicht fest.

Source: Nachrichtenews.com

. hat die Tat gestanden, einem mitangeklagten Rechtsextremisten konnte die unmittelbare Tatbeteiligung jedoch nicht nachgewiesen werden. Mehr zum Thema imago-images/Jan Huebner Prozessauftakt im Mordfall Lübcke - Wie Brandenburger Lokalpolitiker mit Attacken umgehen Mord Lübckes zeige inkonsequente Arbeit der Behörden Sie glaubt nicht, dass eine Verurteilung des Mörders von Walter Lübcke wirklich Signalwirkung hätte. Denn gerade die Umstände um den Mord des Regierungspräsidenten würden zeigen, dass rechtsextremistische Netzwerke oft nicht gut genug beobachtet und ernst genommen würden. Und selbst wenn die Verstrickungen erkannt würden, gingen die Behörden nicht konsequent gegen die Hasskriminalität vor. Johlige habe das am eigenen Leib erfahren: "Mein Name und meine private Adresse standen auf einer 'Feindesliste' von Rechtsextremisten. Weder ich noch die anderen Betroffenen aus Brandenburg sind darüber von den Sicherheitsbehörden informiert worden", sagt die Linken-Politikerin. Während die Polizei bei den Anschlägen auf ihr Wahlkreisbüro sehr vorbildlich vorgegangen sei, hätte es keine gründlichen Ermittlungen bei der Liste gegeben. "Da konsequent vorzugehen muss eine Lehre sein aus den ganzen Vorkommnissen der vergangenen Jahre und insbesondere nach dem Mord an Lübcke", fordert Johlige. Frauenhass führe zu politischer Radikalisierung "Wenn man auf so einer Liste auftaucht, dann fliegt die im Internet herum und keiner weiß, wer sie bekommt. Das ist auch eine Aufforderung: 'Schaut, das sind Menschen, die ihr angreifen könnt", warnt Johlige. Mit einem Shitstorm könne sie umgehen. "Das ist nicht schön, aber da gibt es eine Art Gewöhnungseffekt." Doch eine "Feindesliste" sei für sie ein anderes Level. Es habe eine starke psychische Wirkung, wenn man damit bedroht werde, dass Unbekannte wissen, wo man wohnt. Insbesondere Frauen werden Zielscheibe dieser aggressiven Bedrohungen rechtsextremistischer Angreifer, so Johlige. "Wir wissen, dass Frauenfeindlichkeit bei Rechtsextremen oft eine Ideologie darstellt." Einerseits läge das daran, dass Frauen, die in der Öffentlichkeit stehen, nicht so sehr in das Rollenbild der Rechtsextremen passen würden, die ein tradierteres Rollenbild haben. Andererseits sei der Frauenhass auch ein Weg, sich politisch zu radikalisieren. "Für mich ist das erst bei dem Shitstorm gegen mich bewusst geworden, wie sehr sich der Hass von dem gegen männliche Politiker unterscheidet." "Diese Leute sind nicht die Vollstrecker des Volkswillens" Das einzige, was gegen diese Angriffe helfe, sei, sich immer wieder aufzulehnen. Für Johlige gehört das zur Verantwortung als Person der Öffentlichkeit dazu. "Wir wissen, dass die Hemmschwelle im Internet durch die vermeintliche Anonymität sinkt." Es sei deshalb schon etwas gewonnen, wenn bei Angreifern dann die Polizei vor der Tür stehe, ganz analog. Neben aktivem Gegenhalten empfiehlt sie Betroffenen, persönliche Schutzmaßnahmen zu ergreifen und sich Hilfe von außen zu holen. Hilfsorganisationen wie Opferperspektive in Brandenburg könnten unterstützen. Es müsse ein zivilgesellschaftliches Klima geschaffen werden, in dem klar sei, dass rechtsextreme Angriffe und Taten keine Chance haben. "Diese Leute dürfen nicht den Eindruck bekommen, dass sie die Vollstrecker des Volkswillens sind." Diese klar Kante dagegen vorzugehen, so Johlige, fehle noch. Sendung: Inforadio, 28.01.2021, 7:00 Uhr

Source = nachrichteNews.com

Diese Nachricht 58 Treffer empfangen.

Saarland Nachrichten "Wir müssen Hass öffentlich machen und gegenhalten" Saarbrücken Nachrichten


Saarland Nachrichten "Wir müssen Hass öffentlich machen und gegenhalten" Saarbrücken Nachrichten


Saarland Nachrichten "Wir müssen Hass öffentlich machen und gegenhalten" Saarbrücken Nachrichten


Saarland Nachrichten "Wir müssen Hass öffentlich machen und gegenhalten" Saarbrücken Nachrichten

KOMMENTARE

  • 0 Kommentar