Nordrhein-Westfalen Nachrichten Was Jungunternehmer auf das Land zieht Düsseldorf Nachrichten

nachrichteNews.com - Größeres Jobangebot, mehr Möglichkeiten zum Ausgehen, bessere Mobilität: Bisher hat es viele junge Leute bevorzugt in die Stadt gezogen. Doch einige gehen genau den entgegengesetzten Weg - und führen mit nachhaltigen Geschäftsmodellen ein Unternehmen auf dem Land.

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nachrichteNews.com - Größeres Jobangebot, mehr Möglichkeiten zum Ausgehen, bessere Mobilität: Bisher hat es viele junge Leute bevorzugt in die Stadt gezogen. Doch einige gehen genau den entgegengesetzten Weg - und führen mit nachhaltigen Geschäftsmodellen ein Unternehmen auf dem Land.

Nordrhein-Westfalen Nachrichten Was Jungunternehmer auf das Land zieht Düsseldorf Nachrichten
18 November 2020 - 10:00

Aktuelle Nachrichten ! Größeres Jobangebot, mehr Möglichkeiten zum Ausgehen, bessere Mobilität: Bisher hat es viele junge Leute bevorzugt in die Stadt gezogen. Doch einige gehen genau den entgegengesetzten Weg - und führen mit nachhaltigen Geschäftsmodellen ein Unternehmen auf dem Land. Von Sophia Luft Sich selbst verwirklichen und das eigene Unternehmen leiten – Katharina Koch, Simon Schmidt und die Brüder Carsten und Samuel Waldeck haben sich diesen Traum erfüllt. Doch anstatt dafür in eine Metropole zu gehen, wie es viele junge Start-Up-Gründer tun, haben sie sich dazu entschieden, ihr Unternehmen auf dem Land zu führen – und zwar nachhaltig und innovativ. Was hat sie dazu bewegt? Wie ist es ihnen während der Corona-Krise ergangen? Und: Ist ihr Modell fit für die Zukunft? Die Metzgermeisterin aus CaldenDer Teaballs-Gründer aus RothenbergenDie Smartphone-Entwickler aus Falkenberg Katharina Koch, Metzgermeisterin aus Calden Thema ARD-Themenwoche Alles zum Thema Die Welt entdecken, ins Ausland gehen und in einer Großstadt wohnen. So wie viele junge Menschen hatte auch Katharina Koch diese Wünsche während ihres Studiums. Also verließ sie das nordhessische Calden (Kassel), um in Berlin und Paris Politikwissenschaft zu studieren. Bis ihr Vater ihr anbot, die familiengeführte Fleischerei zu übernehmen. "Eigentlich war nie geplant, dass ich die Firma mal übernehme. Das hätte eigentlich einer meiner zwei Brüder machen sollen", erzählt die heute 34-Jährige. Doch die hatten andere Pläne. Also entschied sie sich, das Familienunternehmen in fünfter Generation zu übernehmen und dafür zurück aufs Land zu ziehen. Ein Schritt, den sie bis heute nicht bereut: "Ich habe meine Heimat noch mal neu schätzen gelernt. Besonders die Natur und die Landschaften hier in Nordhessen." Katharina Koch hat erst einmal den Familienbetrieb umgekrempelt. Bild © Privat Regionalität als Markenzeichen Seit zwei Jahren führt sie die Fleischmetzgerei Koch in Calden. Die Großstadt vermisst Katharina Koch nur selten. Am wenigsten den vielen Verkehr: "Hier hat man kurze Wege und kaum Stau. Das macht das Leben schon um einiges entspannter." Kurze Transportwege und Fleisch aus der Region seien das Markenzeichen ihres Betriebs. Auf ihrem Hof wird auch noch selbst geschlachtet. Nach der Übernahme hat Katharina Koch viel am Familienbetrieb umgestellt. Zum Beispiel hat sie den Online-Vertrieb ausgebaut und Arbeitsstrukturen modernisiert. Besonders viel Arbeit stecke sie aber in das Thema Nachhaltigkeit: "Im Bereich Verpackung und Strom haben wir viel getan. Außerdem stellen wir auf E-Mobilität um und haben auch eine E-Ladestation vor unserem Hofladen installiert." Nachhaltigkeit durch E-Mobilität und CO2-Zertifikate Darüber hinaus hat Koch ihren Betrieb klimaneutral stellen lassen: "Wir haben durch ein Unternehmen unseren CO2-Fußabdruck ermitteln lassen und so herausfinden können, wo wir CO2 einsparen können", erzählt sie. Für den Ausstoß an CO2, der übrig bleibt, hat sie Zertifikate gekauft und damit den Bau eines Wasserkraftwerkes in Brasilien unterstützt. Seit Corona boomt Verkauf von regionalem Fleisch Anders als bei vielen anderen Unternehmen hat die Landfleischerei Koch von der Corona-Krise profitiert. "Das letzte halbe Jahr war für uns unglaublich stark", sagt die 34-Jährige. "Die Menschen haben einfach extrem viel gekauft – vor allem haltbare Produkte." Koch glaubt außerdem, dass Konsumenten seit der Corona-Krise und Hygiene-Skandalen in großen Schlachtbetrieben wie Tönnies verstärkt auf Regionalität setzen. Ein Trend, den sie sich auch für die Zukunft nach Corona wünscht. Ihr Betrieb wäre dafür gut aufgestellt. Simon Schmidt, "Teaballs"-Gründer aus Rothenbergen So sieht Teebrühen bei Simon Schmidt aus - übrigens mit heimischer Minze. Bild © Privat Tee zubereiten – und zwar ohne Beutel, Filter oder Sieb. Diese Idee kam Simon Schmidt aus Gründau-Rothenbergen (Main-Kinzig) vor drei Jahren in einem Hotel am Frühstückstisch. "Da habe ich mich über einen Teebeutel-Fleck geärgert und dachte mir, das müsste doch besser gehen", erzählt der heute 37-Jährige. Vor einem Jahr gründete er daraufhin die Firma "Teaballs". Sein Produkt: gepresste Pflanzenextrakte, die in Wasser aufgelöst zu Tee werden. Mit dieser Idee will der gelernte Wirtschaftsingenieur nicht nur Verpackungsmüll vermeiden, sondern auch gezielt auf regionale Inhalte setzen. Einige der Pflanzen, die zu den Teekügelchen gepresst werden, baut er mittlerweile in in Gründau an. Dazu gehören Minze, Salbei und Fenchel. "Gerade bei der heimischen Minze merkt man schon den Qualitätsunterschied", sagt Schmidt. Denn durch die kurzen Produktionswege bleibe zum Beispiel das Aroma besser erhalten. Regionalität, kurze Wege und soziales Engangement Produktion und Lagerung - das habe sich Schmidt alles im Umkreis von 30 Kilometern aufgebaut. "In der Stadt hätte ich diese Garantie nicht", sagt er. Ganz zu schweigen von den Mietpreisen. 15. bis 21. November 2020 themenwoche.

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.de Abfüllen und verpacken lässt Schmidt seine Teaballs im Behinderten-Werk Main-Kinzig. "In dem Werk gibt es tolle Möglichkeiten", sagt er. "Und auch das Soziale und Menschliche ist mir für die Firma wichtig, deshalb war das Behindertenwerk für mich der perfekte Partner." Durch seine Familie und Freunde hat er hier außerdem ein gutes Netzwerk. Seine sechs festangestellten Mitarbeiter kommen aus der Gegend und hätten so eine große Identifikation mit dem Produkt. Die Frage "Wo gründe ich?" hat sich für Schmidt deshalb nie wirklich gestellt: "Ich glaube, dass es am Wichtigsten ist, die Kontrolle zu behalten. Und die habe ich auf dem Land." Nachhaltige Verpackung durch Kundenfeedback während Coronazeit Wie vielen hessischen Unternehmern macht auch Simon Schmidt die Corona-Krise zu schaffen. Trotz des Onlineshops ist der Umsatz seines Unternehmens zurückgegangen. Das liege am veränderten Kaufverhalten der Kunden, so Schmidt. Aber es gäbe auch gute Seiten an der Krise: "Corona ist auf jeden Fall auch ein Beschleuniger dafür, viele regionale Lösungen zu finden", sagt er. Viele Kunden hätten jetzt mehr Zeit, sich mit den Produkten, die sie konsumieren, auseinander zu setzen und auch Feedback zu geben. So habe sich während der Hochphase der Corona-Pandemie die Verpackung der Teaballs verändert: Neben dem ursprünglichen Spender aus Plastik gibt es die Balls jetzt auch in Glasflaschen zu kaufen. Ein nachhaltiger Gedanke, der von seinen Kunden angeregt wurde. Die Zukunft sieht Schmidt, trotz Corona, positiv. "Ich würde gerne anderen jungen Unternehmen Mut machen, besonnen zu bleiben und Geduld zu haben. Das ist vielleicht auch einfach die Möglichkeit, die Zeit für strategische Planungen zu nutzen", empfiehlt Schmidt. Entschleunigung sei ein gutes Stichwort - und das sei auf dem Land sowieso schon immer Thema gewesen. Samuel und Carsten Waldeck, Smartphone-Entwickler aus Falkenberg Technische Innovation und Leben auf dem Land – passt das zusammen? Die Brüder Samuel (42) und Carsten Waldeck (49) sagen: ja. 2014 haben sie im nordhessischen Falkenberg (Schwalm-Eder) die Firma "Shift" gegründet und dort ihre eigenen Smartphones entwickelt. "Die Leute haben gesagt: Wie, ihr wollt ein Technologieunternehmen auf dem Dorf starten? Das kann nicht funktionieren", erinnert sich Carsten Waldeck und lacht. "Auf dem Land sind Preise ganz anders. Angefangen bei Miet- oder Immobilienpreisen", sagt er. Die Gebäude, in denen sie arbeiten, konnten sie beispielsweise kaufen. "Das heißt, wir haben kaum Ausgaben für Mietkosten im Monat und somit finanziell die Möglichkeit, variabel zu sein und nicht mit der Pistole auf der Brust zu liefern." Mit dieser finanzielle Freiheit könne man sich auf die Dinge konzentrieren, die einem wirklich wichtig sind. Samuel und Carsten Waldeck: "Wie, ihr wollt ein Technologieunternehmen auf dem Dorf starten?" Bild © Privat Langlebige und nachhaltige Smartphones "Uns war es wichtig, eine Alternative zu den bestehenden Smartphones auf dem Markt anbieten zu können", erklärt Designer Carsten Waldeck. Smartphones großer Marken produzierten unglaublich viel Elektroschrott. "Es gab ja mal eine Zeit, da konnte man die Akkus noch rausnehmen. Aber das wurde dann immer weniger - und so kann man Teile nur noch schwer reparieren." Um das zu ändern, entwickelten die Brüder von Falkenberg aus ein Smartphone mit einer modularen Bauweise und austauschbaren Akkus, um es besser reparierbar und langlebiger zu machen. Ein wichtiger Faktor dabei sind die Herkunft der Rohstoffe sowie faire Arbeitsbedingungen, so Carsten Waldeck. Unabhängigkeit durch Crowdfunding-Kampagnen Um unabhängig zu bleiben, arbeiten die Brüder ohne Kredite oder fremde Geldgeber, sondern werden durch Crowdfunding-Kampagnen finanziert: "Das ist schön, weil dir dadurch auch eher ungewöhnliche Entscheidungen treffen können. Der Gewinn unseres Unternehmens wird zum Beispiel komplett für Nachhaltigkeit und soziale Gerechtigkeit eingesetzt", sagt Carsten Waldeck. Dank ihres Online-Shops seien die Verkäufe des Shift-Phones auch in der Corona-Krise stabil geblieben. Allerdings habe die Krise Einfluss auf die Interaktion mit den Produktionspartnern in China gehabt, erklärt Samuel Waldeck. "Als Corona ausbrach, musste unsere kleine Fertigung in China drei Wochen lang geschlossen bleiben." Glücklicherweise habe man aber vorgesorgt und genug Geräte auf Lager gehabt. "Danach konnte alles mit Einschränkungen seinen Lauf nehmen, sodass die negativen Auswirkungen erfreulicherweise recht gering waren", sagt Samuel Waldeck. Nachhaltigkeit als Zukunftswunsch Weil ein Großteil der Einzelteile für die Smartphones aus dem asiatischen Raum kommt, haben sich die Brüder dazu entschlossen, ihre Shitfphones in China produzieren zu lassen. Samuel Waldeck erläutert: "Nicht verbaute Komponenten sind empfindlich und müssten aufwändig verpackt und teilweise klimatisiert versendet werden." Mit der Fertigung in China könne eine große Menge an Verpackungen eingespart werden. Deshalb würden ihre Smartphones in China bereits in eine stablie Form gebracht und dann einwegplastikfrei nach Deutschland versendet. "Dafür bringen wir unsere Vorstellung einer fairen Fertigung nach China", so Samuel Waldeck. Und die chinesischen Mitarbeiter würden zu deutschen Bedingungen beschäftigt, inklusive freien Wochenenden und einem Gehalt, das ein Vielfaches über dem dort üblichen für Fabrikarbeiter liege. Für die Zukunft wünschen sich die Brüder, noch nachhaltiger zu arbeiten. Durch Corona sei eine Zeit der Veränderung angebrochen, das lässt Carsten Waldeck hoffen: "Wir hoffen, dass wir irgendwann die Strukturen des Planeten verändern können. Dass sie fairer, wertschätzender und nachhaltiger für den Planeten werden."

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