Nordrhein-Westfalen Nachrichten Corona-Experte Stürmer im Interview: "Die Erstimpfung dürfte zu milderen Verläufen beitragen" Düsseldorf Nachrichten

nachrichteNews.com - Noch kein voller Schutz vor dem Coronavirus: In einem Altenheim im Lahn-Dill-Kreis haben sich Bewohner trotz Erstimpfung infiziert. Und doch dürfte diese schon gewirkt haben, erklärt der Frankfurter Virologe Martin Stürmer.

Nordrhein-Westfalen Nachrichten Corona-Experte Stürmer im Interview: "Die Erstimpfung dürfte zu milderen Verläufen beitragen" Düsseldorf Nachrichten

nachrichteNews.com - Noch kein voller Schutz vor dem Coronavirus: In einem Altenheim im Lahn-Dill-Kreis haben sich Bewohner trotz Erstimpfung infiziert. Und doch dürfte diese schon gewirkt haben, erklärt der Frankfurter Virologe Martin Stürmer.

Nordrhein-Westfalen Nachrichten Corona-Experte Stürmer im Interview: "Die Erstimpfung dürfte zu milderen Verläufen beitragen" Düsseldorf Nachrichten
05 Februar 2021 - 21:00

Aktuelle Nachrichten ! Noch kein voller Schutz vor dem Coronavirus: In einem Altenheim im Lahn-Dill-Kreis haben sich Bewohner trotz Erstimpfung infiziert. Und doch dürfte diese schon gewirkt haben, erklärt der Frankfurter Virologe Martin Stürmer. Dass auch die erste Coronavirus-Impfung unter Umständen schon wirkt, zeigen die verhältnismäßig milden Verläufe bei infizierter Senioren in einem Heim in Solms (Lahn-Dill). Entscheidend sei der Zeitpunkt der Infektion, sagt der Frankfurter Virologe Martin Stürmer im Interview. Der Experte äußert sich außerdem zu weiteren wichtigen Impf-Fragen und den Chancen auf baldige Lockerungen. hessenschau.de: Herr Stürmer, die infizierten Bewohner des Solmser Seniorenheims sind alle um die 80, doch bislang musste keiner ins Krankenhaus. Spricht das dafür, dass sie durch die Erstimpfung schon einigermaßen geschützt sind? Martin Stürmer: Da müssen wir ein paar Punkte auseinander dividieren: Wenn ich heute meine erste Impfung bekomme, dann braucht mein Immunsystem einige Tage, bis es anspringt und Antikörper produziert. Wenn ich kurz nach der ersten Impfung Kontakt mit dem Virus habe, kann ich mich vollumfänglich infizieren. Beim Biontech-Impfstoff setzt gemäß einer Studie ein erster Schutz etwa zwölf Tage nach der ersten Impfung ein. Das heißt also, in der Zeit davor bin ich immer noch sehr empfänglich für eine Infektion. hessenschau.de: In Solms ist das Virus 16 Tage nach der Erstimpfung ausgebrochen. Stürmer: Wenn Sie von den 16 Tagen etwa fünf Tage Inkubationszeit abziehen, könnten sich einige Bewohner infiziert haben, als das Immunsystem noch nicht voll da war. Und doch hat der Impfstoff eine gewisse Wirkung entfaltet und dürfte zu den milden Verläufen beigetragen haben. hessenschau.de: Könnte auch eine Mutation "durchgerutscht" sein? Stürmer: Nach bisherigen Erkenntnissen funktioniert der Biontech-Impfstoff auch bei den bisher bekannten Mutationen. hessenschau.de: Wenn Menschen zwischen Erst- und Zweitimpfung erkranken und damit den Vierwochenzeitraum sprengen, in dem die Zweitimpfung gegeben werden muss: Erlischt der Schutz oder wirkt die Erkrankung quasi als Zweitimpfung? Stürmer: Darüber wissen wir zu wenig, da fehlen uns schlicht die Daten. Streng genommen ist es wie eine Zweitimpfung. Aber es ist im Moment ganz schwer zu sagen, inwieweit dann noch eine Zweitimpfung notwendig ist. hessenschau.de: Wie ist es generell mit langen Wartezeiten zwischen Erst- und Zweitimpfung? Nutzer berichten uns, dass zwischen ihren Terminen mitunter mehr als vier Wochen liegen. Stürmer: Je nach Impfstoff gibt es einen vorgegebenen Zeitrahmen, den die Behörden einhalten sollten. Das ist jeweils in den Zulassungen oder Beipackzetteln nachzulesen. Biontech gibt da bis zu 42 Tage an. Beim AstraZeneca-Impfstoff wurde gerade veröffentlicht, dass es sogar günstiger ist, den Zeitraum auszudehnen. Nach deren Studiendaten wurden die besten Ergebnisse bei einem Abstand von zwölf Wochen erreicht. hessenschau.de: Es ist also wichtig, dass genau das schon bei der Terminvergabe beachtet wird. Stürmer: Das sollte genau auf den jeweiligen Impfstoff abgestimmt sein. Logistisch ist das nicht ganz trivial, das ist auch klar. hessenschau.de: Was passiert, wenn der empfohlene Zeitraum überschritten wird. Haben es Mutationen dann leichter? Stürmer: Wenn man nicht oder zu spät mit der zweiten Impfung abschließt, besteht immer die Möglichkeit, dass das Virus dem Immunsystem entkommt. Es ist so, dass das Virus in jedem Zyklus mutiert. Manchmal ändert sich dadurch für das Virus gar nichts, manchmal entstehen Mutationen, die dafür sorgen, dass das Virus zugrunde geht und manchmal gibt es Mutationen, die sich besser anpassen. Wenn ich einen unzureichenden Druck durch das Immunsystem ausübe, favorisiere ich Mutationen, die in Richtung eines solchen "immune escape" gehen. Wenn der Druck des Immunsystems stark genug ist und die Replikation des Virus auf Null setzt, dann ist die Chance gering, dass das Virus Mutationen bildet. hessenschau.de: Weiß man inzwischen mehr darüber, ob Geimpfte weiter ansteckend sind? Stürmer: AstraZeneca hat darüber gute Daten publiziert: Mit ihrer Standarddosierung schaffen sie 50 Prozent weniger PCR-Positive bei ihren Probanden. Das bedeutet: In vielen Patienten wird ein so hoher Immundruck aufgebaut, dass das Virus sich gar nicht weiter vermehren kann. Die Schutzbarriere durch die Impfung ist also so gut, dass das Virus gar nicht in die Zellen eindringen kann. Von den anderen Impfstoffen gibt es dazu noch keine Daten.

Source: Nachrichtenews.com

.de: Wie würden Sie Menschen beruhigen, die sich den Impfstoff gerne aussuchen würden, weil sie einen davon kritisch sehen - Sputnik V etwa, der in Russland schon im August 2020 zugelassen wurde? Stürmer: Impfstoffe durchlaufen alle dieselben Kontrollmechanismen, bevor sie bei uns zugelassen werden. Zu Sputnik V: Im August haben wir zurecht gesagt, dass er auf keinen Fall verimpft werden kann. Das lag aber nicht daran, dass der Impfstoff schlecht sein könnte, sondern dass er nicht alle Prüfungen durchlaufen hatte, bei denen normalerweise mögliche Probleme und Nebenwirkungen festgestellt werden. Jetzt liegen diese sogenannten Phase-3-Daten vor, und wenn die Europäische Arzneimittel-Agentur EMA die Zulassung erteilen soll, dann muss sie diese Daten umfangreich sichten dürfen. Man sollte nicht den Fehler machen, den russischen Impfstoff zu unterschätzen, weil er vom Prinzip sehr gut ist. Er benutzt zwei verschiedene Vektoren, also zwei verschiedene Helferviren. AstraZeneca benutzt nur einen. Zwei steigern möglicherweise die Effektivität. hessenschau.de: Ist inzwischen auch ein Impfstoff für Kinder und Jugendliche in Sicht? Verschiebt sich die Durchseuchung nicht in ihre Gruppe, wenn die Erwachsenen irgendwann durchgeimpft sind? Von Kindern sind ja auch schwere Verläufe bekannt. Stürmer: Das müssen die Unternehmen liefern. Im Augenblick gibt es zu Kindern und Jugendlichen keine Daten. Meine Argumentation in allen Lockerungsdiskussionen ist, dass ich zwar verstehe, dass Kinder wieder in die Schule sollen. Ich würde das mit Blick auf die Not vieler Eltern und Kinder auch unterstützen. Aber: Wir laufen da natürlich in ein gewisses Risiko rein. Wir wissen über Langzeitfolgen noch nicht genug und müssen unbedingt vermeiden, dass jetzt die Kinder alles abbekommen und wir, wenn die Erwachsenen durchgeimpft sind, bei Kindern die schweren Verläufe haben. hessenschau.de: Also halten Sie auch nichts von der Forderung, dass Schulen und Kitas wieder als erste geöffnet werden sollen? Stürmer: Bei Schulen und Kindergärten hat man weiter die Problematik, dass man viele junge Menschen auf engem Raum hat. Gleichzeitig zirkulieren Mutationen, die sich schnell verbreiten. Da ist die Frage, ob eine Inzidenz von 50 überhaupt gut ist oder ob wir nicht noch tiefer gehen müssen. Außerdem sollten wir diskutieren, wie weit wir die Sicherheitskonzepte in den Schulen nochmal anpassen müssen, bevor wir diese wieder öffnen. Aber gut, das diskutieren wir jetzt mindestens seit den Sommerferien. hessenschau.de: Nun gehen aktuell die Sieben-Tage-Inzidenzen langsam zurück, Öffnungsdebatten werden aufgenommen. Ist es dafür schon an der Zeit? Stürmer: Ich fände es erst einmal gut, wenn wir über eine inzidenzgesteuerte Ampel sprechen. Das fordere ich schon länger. Wir sollten also bundesweit einheitliche Regeln haben. Damit in jedem Landkreis in Deutschland klar ist: Wenn bestimmte Bedingungen erfüllt sind, dürfen wir bestimmte Dinge tun. Und wenn die Ampel auf Rot ist, dürfen wir das nicht mehr. Wenn das in ganz Deutschland gleich ist, hat man das Gemeckere nicht, dass zum Beispiel ein Bundesland sagt: Wir haben doch kaum Infektionen, warum müssen wir so streng sein wie andere mit deutlich mehr Infektionen? Aber wenn die Inzidenz-Regel regional zu eng gefasst ist, also Kreis A ist grün und der angrenzende Kreis B ist rot, dann muss man nicht lange überlegen, was die Leute aus dem roten Kreis machen. Deswegen muss man die Ampel auch sorgfältig austarieren, was Nachbarbezirke betrifft. Kreis A etwa muss dann möglicherweise auf gelb bleiben. hessenschau.de: Wann greift der Impfschutz so weit, dass wirkliche Veränderungen spürbar werden? Stürmer: Es gibt ja noch ein paar Hürden. Zunächst müssen wir die Impfstoffengpässe in den Griff bekommen. Dann muss zu einem ordentlichen Prozentsatz die sogenannte sterile Immunität erreicht werden, dass also das Virus von Geimpften nicht weitergegeben werden kann. Dann müssen wir schauen, wie lange die Impfung anhält. Wenn es ein Jahr ist, dann kann ich gut damit leben, das kennen wir von der Grippeimpfung. Wenn wir zudem noch die Mutanten in den Griff bekommen, dann können wir im Herbst anfangen, über Normalität zu diskutieren. Das Gespräch führte Sonja Fouraté. Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 05.02.2021, 19.30 Uhr

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