Nordrhein-Westfalen Nachrichten 80 Jahre NS-Verbrechen in Hadamar: "Wir müssen sehr, sehr vorsichtig sein" Düsseldorf Nachrichten

nachrichteNews.com - Im mittelhessischen Hadamar starteten vor 80 Jahren die Nazis mit dem Massenmord an über 10.000 behinderten oder psychisch erkrankten Menschen. Die Gedenkstätte erinnert nun digital an die Opfer - und mahnt zu Vorsicht in der Diskussion um eine Triage von schwer kranken Covid-19-Patienten.

Nordrhein-Westfalen Nachrichten 80 Jahre NS-Verbrechen in Hadamar: "Wir müssen sehr, sehr vorsichtig sein" Düsseldorf Nachrichten

nachrichteNews.com - Im mittelhessischen Hadamar starteten vor 80 Jahren die Nazis mit dem Massenmord an über 10.000 behinderten oder psychisch erkrankten Menschen. Die Gedenkstätte erinnert nun digital an die Opfer - und mahnt zu Vorsicht in der Diskussion um eine Triage von schwer kranken Covid-19-Patienten.

Nordrhein-Westfalen Nachrichten 80 Jahre NS-Verbrechen in Hadamar: "Wir müssen sehr, sehr vorsichtig sein" Düsseldorf Nachrichten
13 Januar 2021 - 18:45

Aktuelle Nachrichten ! Im mittelhessischen Hadamar starteten vor 80 Jahren die Nazis mit dem Massenmord an über 10.000 behinderten oder psychisch erkrankten Menschen. Die Gedenkstätte erinnert nun digital an die Opfer - und mahnt zu Vorsicht in der Diskussion um eine Triage von schwer kranken Covid-19-Patienten. Von Rebekka Dieckmann Was ist ein Leben wert? Die Nationalsozialisten machten dafür eine grausame Milchmädchen-Rechnung auf: "Täglich 5,50 Reichsmark kostet den Staat ein Erbkranker, für 5,50 Reichsmark kann eine erbgesunde Familie 1 Tag leben!" So stand es auf einem Plakat der NS-Zeit. Aus der Propaganda wurden schnell Taten: Die Nazis töteten über 200.000 psychisch kranke oder behinderte Menschen. "Lebensunwertes Leben" nannten sie ihre Opfer. Eine von sechs Tötungsanstalten der "Aktion T4" befand sich in Hadamar (Limburg-Weilburg). Vom 13. Januar bis zum 24. August 1941 wurden in der ehemaligen Landesheilanstalt über 10.000 Menschen ermordet und verbrannt. Im weiteren Kriegsverlauf starben hier noch weitere 4.500 Menschen. 80 Jahre später will die die Gedenkstätte Hadamar nun noch einmal in besonderer Weise an die Euthanasie-Verbrechen erinnern. Weil derzeit keine Gedenkstättenbesuche möglich sind, hat sie eine digitale Kampagne gestartet. In den nächsten Monaten will die Gedenkstätte regelmäßig in den sozialen Medien die Biografien von einzelnen Opfern teilen. Biografien der Ermordeten Eine dieser Geschichten ist die von Hans Frey, geboren am 7. Mai 1911 in Frankfurt. Wegen seines Engagements für kommunistische Organisationen kam der gelernte Schlosser 1936 ins Zuchthaus und wurde kurz darauf in die psychiatrische Abteilung verlegt. Ein Gutachten stellte bei ihm Symptome einer paranoiden Schizophrenie fest: Frey höre Stimmen und leide unter Verfolgungswahn. Laut Gutachten sei er ein "gemeingefährlicher Geisteskranker". Am 13. Januar 1941 gehörte der damals 29-Jährige dann zum ersten Transportbus, der in Hadamar ankam. Die 30 Ankömmlinge mussten sich nach ihrer Ankunft in der Tötungsanstalt entkleiden, wurden ärztlich untersucht und schließlich in die schwarz-weiß gekachelte Gaskammer im Keller gebracht.

Source: Nachrichtenews.com

. In der Tötungsanstalt Hadamar wurden etwa 14.500 Menschen ermordet Bild © Gedenkstätte Hadamar Blick in die Vergangenheit und in die Gegenwart Jan Erik Schulte ist Leiter der Gedenkstätte. Der Historiker sagt, es sei wichtig, die Ermordeten aus der Vergessenheit zu reißen und an sie zu erinnern - "nicht als unübersehbare Masse, sondern als einzelne Individuen mit einer eigenen Geschichte, mit Vorlieben, Berufen, Wünschen und Hoffnungen." Mit der Verbrennung der Toten hätten die Nazis damals genau das verhindern wollen. "Man wollte sie vergessen machen." Neben dem Blick in die Geschichte sei für die Gedenkstättenarbeit immer auch der Blick ins Heute von großer Bedeutung, so Schulte. In Zeiten der Corona-Pandemie gebe es momentan etwa Sorgen und Diskussionen im Hinblick auf die sogenannte Triage angesichts von knappen Ressourcen in Krankenhäusern. Gedenkstätten schreiben Stellungnahme zur Triage Gemeinsam mit anderen ehemaligen Schauplätzen der "Aktion T4" hat die Gedenkstätte Hadamar eine Stellungnahme dazu veröffentlicht, die kürzlich auch der ZDF-Moderator Jan Böhmermann auf Twitter teilte. Jan Böhmermann ???????? @janboehm Zur Frage, warum in Deutschland Alte, Kranke und Risikogruppen zuerst geimpft werden, lesen Sie bitte diesen Beitrag der Gedenkstätte Hadamar. https://t.co/q3zuBSARtt [zum Tweet] 27.12.20, 10:10 Uhr 345 1891 Stand: 13.01.21, 18:35 Uhr "Natürlich wollen wir die Vergangenheit nicht eins-zu-eins in die Gegenwart übertragen oder sagen, dass so etwas wie damals genau so wieder passiert", sagt Jan Erik Schulte. Jedoch müsse man mit den Erfahrungen der Vergangenheit den Transfer in die Gegenwart leisten und sich so aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen genau anschauen. Historiker fordert breite gesellschaftliche Diskussion über Lebensrecht Fragen zum Zugang zu Intensivmedizin und letztlich zum Lebensrecht sollten daher laut Schulte so breit wie möglich gesellschaftlich diskutiert werden und dürften nicht in den Händen einzelner Menschen oder Berufsgruppen liegen. "Vor allen Dingen müsste sich hier der Gesetzgeber einschalten." "Wir wollen frühzeitig unsere Stimme erheben und sagen, dass wir bei der Kategorisierung von Menschengruppen und Entscheidungen über das Lebensrecht sehr, sehr vorsichtig sein müssen", sagt der Historiker. "Das gilt selbst in Krisenzeiten - oder sogar gerade dann." Sendung: hr4, Die Hessenschau für Mittelhessen, 13.01.2021, 12.30 Uhr

Source = nachrichteNews.com

Diese Nachricht 90 Treffer empfangen.

Nordrhein-Westfalen Nachrichten 80 Jahre NS-Verbrechen in Hadamar: "Wir müssen sehr, sehr vorsichtig sein" Düsseldorf Nachrichten


Nordrhein-Westfalen Nachrichten 80 Jahre NS-Verbrechen in Hadamar: "Wir müssen sehr, sehr vorsichtig sein" Düsseldorf Nachrichten


Nordrhein-Westfalen Nachrichten 80 Jahre NS-Verbrechen in Hadamar: "Wir müssen sehr, sehr vorsichtig sein" Düsseldorf Nachrichten


Nordrhein-Westfalen Nachrichten 80 Jahre NS-Verbrechen in Hadamar: "Wir müssen sehr, sehr vorsichtig sein" Düsseldorf Nachrichten

KOMMENTARE

  • 0 Kommentar
Neueste Nachrichten