Baden-Württemberg Nachrichten Was uns verloren geht, wenn uns die Kunst verloren geht Stuttgart Nachrichten

nachrichteNews.com - Die Existenz der Veranstaltungsbranche steht auf dem Spiel. Es drohen Verarmung, Verödung, Verblödung. Und noch viel mehr. Ein Kommentar.

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21 November 2020 - 21:00

Aktuelle Nachrichten ! Zweimal in den vergangenen Wochen rollte eine Walze der Empörung durch die Republik. Erst las der Jazztrompeter Till Brönner der Politik die Leviten und warf ihr vor, die Kunst im Stich zu lassen. In einem millionenfach geklickten Video appellierte er aber auch an seine Kollegen und Kolleginnen, sich nach acht Coronamonaten nicht länger kleinlaut zu zeigen: Eine ganze Branche stehe am Abgrund. Wenig später sekundierte Herbert Grönemeyer in der „Zeit“ und forderte eine Solidaritätsabgabe der Superreichen – nicht zuletzt im Dienst des nationalen Zusammenhalts: „Ein Land ohne die so unmittelbare Livekultur gibt und öffnet den Raum für Verblödung, krude und verrohende Theorien und läuft Gefahr, nach und nach zu entseelen.“Der neuerliche Lockdown hat das Aufbegehren erstickt. Das Publikum lebt weiter von Konserven, und die Künstler starren deprimiert in einen Tunnel, an dessen Ende wahrscheinlich auch im Dezember noch kein Adventslicht zu sehen ist. Doch was genau geht hier eigentlich verloren? Die ökonomischen, stadtplanerischen und psychohygienischen Gefahren von Verarmung, Verödung und Verblödung sind offensichtlich. Sie fallen unter das fragwürdige Kriterium der Systemrelevanz. Auch die Sorge um den sozialen Frieden ist nachvollziehbar: Ohne Brot, Toilettenpapier und Spiele hat keine Regierung eine Chance. Die Sorge um die Kunst kann darin aber nicht aufgehen. Mehr als zielgruppengenaue UnterhaltungEs geht um eine Kunst, die mehr ist als bloße Ablenkung von den Nöten des Alltags und zielgruppengerechte Unterhaltung. Eine Kunst, die sich in Analogie zur Wissenschaft als Forschung versteht und in sämtliche anthropologischen und sozialen Tiefen hineinleuchtet. Eine Kunst, die zugleich heraustritt aus dem Diktat der politischen Aktualität, ohne deshalb unpolitisch zu sein. Eine Kunst, die weiß, was ekstatische Verausgabung ist. Eine Kunst, die auch in finsteren Zeiten noch finsterer als die Wirklichkeit sein darf, weil ihre Schönheit nur taugt, wenn sie über dem Tröstlichen das Beunruhigende nicht vergisst – und das durchaus gegen die Erwartung eines reibungslos funktionierenden Systems. Man kann all das nur vermissen, wenn man einmal erlebt hat, wie sich eine solche Kunsterfahrung anfühlt. Und gerade ist es unmöglich, daran teilzuhaben, wie eine hunderttausendfach aufgeführte, längst zum Klingelton herabgewürdigte Beethoven-Symphonie in dem Moment, in dem der Dirigent den Taktstock hebt, von Grund auf neu erschaffen wird und einen aufwühlen und beglücken kann. Ritual und Resonanz urban.cmd.

Source: Nachrichtenews.com

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Source = nachrichteNews.com

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