Baden-Württemberg Nachrichten Mit der 135 fing alles an Stuttgart Nachrichten

nachrichteNews.com - Mit acht kaufte er sich sein erstes Heft, mit 13 war die „Mosaik“-Sammlung komplett. Bis er endlich seinen Comicladen hatte, vergingen noch ein paar Jahre.

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nachrichteNews.com - Mit acht kaufte er sich sein erstes Heft, mit 13 war die „Mosaik“-Sammlung komplett. Bis er endlich seinen Comicladen hatte, vergingen noch ein paar Jahre.

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22 November 2020 - 08:45

Aktuelle Nachrichten ! Es entschied sich. Dass er sich entschieden hätte, wäre wohl zu viel gesagt. Denn Schlosser zu werden, stand mit 16 als Berufswunsch nicht ganz oben auf der Liste seiner Träume. Aber so war das in der DDR: Wurde man nach der zehnten Klasse nicht an eine weiterführende Schule delegiert, um das Abitur abzulegen, machte man eben eine Ausbildung. Oft irgendeine, was eben so im Angebot war. Sich ein wenig umzuschauen, eine Weile im Vorläufigen, in einem unentschiedenen Zustand zu bleiben, hätte als Bummelei und Schlendrian gegolten. Der sozialistische Mensch war doch kein unentschiedener! Rainer hatte Interessen, daran lag es nicht. Er las für sein Leben gern, Abenteuerromane, Hinaus-in-die-Welt-Literatur, Karl May, Jules Verne. Und Comics. Also die, die man in der DDR kriegen konnte, „Frösi“ (abgeleitet von „Fröhlich sein und singen“, der Anfangszeile eines Pionierliedes), „Atze“ und natürlich das „Mosaik“. Vor allem das „Mosaik“ mochte er, seine ersten drei Helden, die Digedags und ebenso ihre Nachfolger, die Abrafaxe. Aber das „Mosaik“ war Bückware. Wenige Glückliche, zu denen Rainer nicht zählte, besaßen ein Abonnement, die anderen rannten von Kiosk zu Kiosk, um irgendwo ein Exemplar zu erbeuten. Der Mangel befeuerte das Begehren. Die Leerausgegangenen konnten nur darauf hoffen, sich das Heft bei den Glücklicheren auszuleihen. Oder sie begannen zu tauschen, eine Nummer, die sie doppelt hatten, gegen die fehlende.300 Mark für ein Heft! Sein erstes Heft, die Nummer 135, kaufte Rainer sich mit acht. Mit 13 war seine Sammlung komplett, inklusive der exklusiven Nummer 1, erschienen am 23. Dezember 1955, die man schon zu seiner Zeit kaum mehr finden konnte. Aber die Sammlung ging verloren, warum, ist nicht überliefert. Jahre später vermachte sein Bruder ihm die eigene Kollektion, allerdings wies sie empfindliche Lücken auf. Erneut ergriff Rainer der Jagdtrieb. Er suchte nach Inseraten, inserierte selbst. Und war baff: Da suchte jemand die Nummer eins und bot tatsächlich 50 Mark! Dabei hatte sie ursprünglich nicht mal eine gekostet. Andere boten noch mehr, 200, 300 Mark. Die Nachfrage animierte ihn, Unmengen von Heften zu kaufen, die er dann auf Volksfesten und Trödelmärkten, von denen es in den 80er Jahren immer mehr gab, verkaufte. Die Sache war lukrativ, er nahm andere Comic-Reihen, Romanhefte und Bücher ins Sortiment. Das Vorläufige, der unentschiedene Zustand hinsichtlich seines beruflichen Werdens verflüchtigte sich, ein Ziel formte sich immer deutlicher: ein eigenes Buchantiquariat. „Mit diesem Wunsch“, erzählte er später, „biss ich allerdings beim Rat des Stadtbezirks auf Granit.“ Also verharrte er in der Zeitweiligkeit, im Behelfsmäßigen, arbeitete mal als Möbelmonteur und wusste, dass es immer auch etwas ganz anderes sein konnte. Doch nur wenige Monate nach seiner unergiebigen Unterredung mit den zuständigen Bürokraten fiel die Mauer. „Plötzlich erschien ein Buchantiquariat als real. Aber im Westen gab es bestimmt schon 100, im Osten auch einige. Das ist dann vielleicht doch so keine gute Idee, dachte ich. Aber Comicläden gab es nur wenige, und die alle im Westen.“ Also los! urban.cmd.push( function() { urban.

Source: Nachrichtenews.com

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