Baden-Württemberg Nachrichten Gute Zäune machen gute Nachbarn Stuttgart Nachrichten

nachrichteNews.com - Der Berliner Althistoriker Alexander Demandt schreibt eine Weltgeschichte der Grenze.

Baden-Württemberg Nachrichten Gute Zäune machen gute Nachbarn Stuttgart Nachrichten

nachrichteNews.com - Der Berliner Althistoriker Alexander Demandt schreibt eine Weltgeschichte der Grenze.

Baden-Württemberg Nachrichten Gute Zäune machen gute Nachbarn Stuttgart Nachrichten
16 November 2020 - 16:15

Aktuelle Nachrichten ! Nach dem Sündenfall sperrte Gott den Paradiesgarten ab und stellte die Cherubim mit dem Flammenschwert als Grenzwächter davor, damit die vertriebenen Menschen nicht etwa dank ihrer neu erworbenen Schlauheit wieder hineinfänden. So ist im Mythos die Grenze von Anfang an negativ besetzt. Die ältesten archäologisch bezeugten Begrenzungen sind die Stadtmauern von Jericho. Damit beginnt der 1937 geborene Althistoriker Alexander Demandt seine Weltgeschichte der Grenze, in der er keine berühmte Befestigung auslässt – von der chinesischen bis zur Berliner Mauer, vom Todesstreifen in Nikosia bis zu den unterirdischen Tunnelblockern in Gaza. Man liest von legendären Grenzen der Antike, aber auch von den Teilungen Polens und der Neugründung Griechenlands im 19. Jahrhundert, wodurch blutige Konflikte mit dem Osmanischen Reich entstanden, dessen Zerfall wiederum endlose Grenzstreitigkeiten in Südosteuropa zur Folge hatte, mit allen Schrecken von Zwangsumsiedlungen, Vertreibungen und ethnischen Säuberungen. Wer Grenzen ändern will, braucht eine LegitimationGrenzkonflikte schaffen so viel Leid, dass man eigentlich über jede stabile Grenze froh sein sollte. Wer Grenzen ändern will, braucht jedenfalls eine starke Legitimation, und die wird oft in der Geschichte selbst gesucht: Der Rückgriff auf vorzeitige Besitzverhältnisse soll aktuelle Besitzergreifungen rechtfertigen, nach der Devise: Eroberung ist Unrecht, Rückeroberung Recht. [Alexander Demandt: Grenzen. Geschichte und Gegenwart. Propyläen Verlag, Berlin 2020. 656 Seiten, 28 €.]Die Franzosen haben sich in diesem Sinn immer wieder auf die „natürliche“ Rheingrenze unter Caesar berufen, Israel hat sein Recht auf Palästina mit dem Hinweis auf das Reich Davids begründet. Und Hitler hat die Krimgoten beschworen, als er die Sowjetunion überfiel.Bevor Demandt zu seinem historischen Thema kommt, lotet er in einem ausführlichen Einleitungsteil über die Grenze als „Grundkategorie“ erst einmal alle räumlich-zeitlichen Bedeutungsfacetten des Begriffs aus, bis hin zu den Haltbarkeitsdaten von Lebensmitteln. Überhaupt ist das Leben endlich, irgendwann muss jeder die Grenze zum Tod passieren, und auch die ist nicht zollfrei. Solche Einsichten mögen bisweilen trivial sein, aber sie schaffen ein Bewusstsein für die universale Bedeutung von Abgrenzungen, bis hinunter auf die mikroskopische Ebene der Zellbiologie. „Alles was Form hat, gewinnt diese durch seine Grenzen“, schreibt Demandt, der bis 2005 an der Freien Universität als Professor für Alte Geschichte lehrte und vor fünf Jahren schon eine große Kulturgeschichte der Zeit vorlegte. urban.cmd.push( function() { urban.display('medrect2'); }); var Criteo = Criteo || {}; Criteo.events = Criteo.events || []; Criteo.events.push(function() { Criteo.DisplayAcceptableAdIfAdblocked({ "zoneid": 962915, "width": 300, "height": 250, "containerid": "crt-medrect2", "callbacksuccess": function() { adslotFilledByCriteo('medrect2', true); } }); }); Normative Kraft des FaktischenQuintessenz aller Grenzpolitik ist für ihn die normative Kraft des Faktischen. Demnach sind die meisten Landesgrenzen das Ergebnis von Gewalt und Gewöhnung. Durch Kriege und Friedenschlüsse werden Tatsachen geschaffen, und irgendwann finden sich die Menschen mit den neuen Verhältnissen ab.Ein Beispiel dafür sind die deutschen Ostgrenzen nach dem Zweiten Weltkrieg, die lange umstritten waren, den meisten inzwischen aber völlig selbstverständlich sind. Auf der anderen Seite erscheint es befremdlich, dass im Westen heute Aachen, Köln, Osnabrück oder Borkum zu den Niederlanden gehören könnten, wie es der annexionsfreudige Bakker-Schut-Plan als Kompensation für die deutsche Besatzung forderte. Die Niederländer haben sich damit jedoch nicht durchsetzen können bei den Alliierten, die angesichts der Nöte im Osten für eine stabile Westgrenze plädierten. So bieb Bakker-Schut Fiktion; in Keulen und Osnabrugge (so die geplanten neuen Namen) wird weiterhin Deutsch gesprochen. Die „normative Kraft des Faktischen“ und die Macht der Gewöhnung konnten in diesem Fall nicht zur Wirkung kommen. Letzteres gilt auch für manche Grenzziehung in Afrika, die sich weder historischen Konflikten noch natürlichen Gegebenheiten verdankt, sondern schlicht der eilfertigen Benutzung eines europäischen Lineals. Wie überhaupt die meisten Grenzen dieser Welt von Europäern gezogen wurden.

Source: Nachrichtenews.com

. Unter Napoleon und später im deutschen Zollverein wurde ein Binnenmarkt geschaffen, der eine Voraussetzung der Reichsgründung 1871 war. Wer aber meint, der Weltgeist tendiere im Zeichen von Kooperation und Kommunikation prinzipiell zur Aufhebung von Grenzen, den belehrt Demandt eines Besseren: Die Länge von Grenzen hat sich mit der Zahl der Staaten im 20. Jahrhundert verdreifacht; der Globalisierung steht die Regionalisierung gegenüber. Auch die Meere werden vergrenzt urban.cmd.push( function() { urban.display('medrect3'); }); var Criteo = Criteo || {}; Criteo.events = Criteo.events || []; Criteo.events.push(function() { Criteo.DisplayAcceptableAdIfAdblocked({ "zoneid": 962916, "width": 300, "height": 250, "containerid": "crt-medrect3", "callbacksuccess": function() { adslotFilledByCriteo('medrect3', true); } }); }); Insbesondere im Zusammenhang mit wirtschaftlichen Interessen und Fischereirechten hat sich die Zahl der strittigen Grenzfragen erhöht. Eine immer größere Rolle werden in Zukunft Ressourcen spielen, die unter den Meeren und in der Antarktis auf ihre Erschließung warten: „Angesichts der allgemeinen Tendenz zur Auf- und Zuteilung von Zuständigkeitsbereichen werden vermutlich (…) die Weltmeere samt dem Meeresboden bis zur maximalen Tiefe von 11034 Metern von den Nationen eines Tages vergrenzt“, prognostiziert der Historiker. Vor allem aber in Zusammenhang mit der Migration sind Grenzen wieder zum politischen Streitthema geworden. Für „No borders!“-Träumer gehören sie prinzipiell abgeschafft; manche Gegenstimmen singen inzwischen umso lauter wieder das Lob der geschützten Grenze. Demandt fasst dieses heiße Eisen leider nur kurz an und behandelt die gegenwärtige Situation – entgegen der Ankündigung des Untertitels – bloß in wenigen Sätzen. Die sind allerdings unmissverständlich: „Wo die Eigenverantwortung für die Staatsgrenzen gemindert oder gar aufgegeben wird, stehen die drei Elemente der Staatlichkeit, stehen Staatshoheit, Staatsgebiet und Staatsvolk zur Disposition.“ Völker, die ihr abgegrenztes Territorium verlieren, verschwinden fast immer aus der Geschichte, wie die Kelten, Etrusker oder Hunnen. Von daher findet Demandt den verbreiteten Unwillen der Deutschen, wenn es um das Thema Grenzschutz geht, fahrlässig und geschichtsvergessen. Auch die Flüchtlingspolitik von Kanzlerin Merkel im Jahr 2015 kritisiert er: „Die Willkommenspolitik entspringt einer ehrenwerten humanitären Gesinnung, die sich aber der Verantwortung für die Folgen entzieht.“Peitschenschläge für NeubürgerDieses Buch ist das Spätwerk eines verdienten Historikers, der sich um akademische Duftmarken nicht mehr scheren muss. Er schreibt ohne Forschungsgeklapper und Terminologie, dafür mit einer Neigung zum Aphoristischen und Anekdotischen, etwa wenn es um die Einbürgerungsrituale im mittelalterlichen Köpenick geht. Neubürgern wurden damals sechs Peitschenschläge verabreicht, der erste für den König, der zweite für den Magistrat, ein weiterer für die gute Nachbarschaft. So sollte den Zuwanderern Respekt eingebläut werden. urban.cmd.push( function() { urban.display('medrect4'); }); [Wenn Sie aktuelle Nachrichten aus Berlin, Deutschland und der Welt live auf Ihr Handy haben wollen, empfehlen wir Ihnen unsere App, die Sie hier für Apple- und Android-Geräte herunterladen können.]Das will Demandt natürlich nicht als Empfehlung für unsere „humanitäre“ Zeit verstanden wissen, aber es macht deutlich, dass eine mit staatlichen Leistungen verbundene Willkommenskultur in historischer Perspektive tatsächlich eine erstaunliche Novität oder Errungenschaft ist. Mehr zum Thema Was wäre ohne Kreuzigung? "Das Charisma von Jesus wäre dahin" Um solche politischen Einlassungen geht es Alexander Demandt aber nur am Rand. Seine umfangreiche Darstellung befasst sich nicht mit theoretischen Hintergründen, sondern addiert geduldig die Fakten. Sein Buch ist – Epoche für Epoche und Erdteil für Erdteil – ein enzyklopädischer Durchgang durch die Weltgeschichte, dessen geballte Informationsfülle irgendwann ermüdend wirkt. Bei der fortlaufenden Lektüre vermisst man argumentative und darstellerische Bögen. Mit großem Gewinn lässt sich dieses Buch jedoch als Nachschlagewerk nutzen. Neu: Tagesspiegel Plus jetzt gratis testen!

Source = nachrichteNews.com

Diese Nachricht 5 Treffer empfangen.

Baden-Württemberg Nachrichten Gute Zäune machen gute Nachbarn Stuttgart Nachrichten


Baden-Württemberg Nachrichten Gute Zäune machen gute Nachbarn Stuttgart Nachrichten


Baden-Württemberg Nachrichten Gute Zäune machen gute Nachbarn Stuttgart Nachrichten


Baden-Württemberg Nachrichten Gute Zäune machen gute Nachbarn Stuttgart Nachrichten

KOMMENTARE

  • 0 Kommentar
Neueste Nachrichten