Baden-Württemberg Nachrichten Bewegender Dialog über die letzten Dinge Stuttgart Nachrichten

nachrichteNews.com - Ursina Lardi spricht in Milo Raus „Everywoman“ mit der todkranken Schauspielerin Helga Bedau, die einmal noch auf der Bühne stehen möchte. Ein intimes Setting.

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nachrichteNews.com - Ursina Lardi spricht in Milo Raus „Everywoman“ mit der todkranken Schauspielerin Helga Bedau, die einmal noch auf der Bühne stehen möchte. Ein intimes Setting.

Baden-Württemberg Nachrichten Bewegender Dialog über die letzten Dinge Stuttgart Nachrichten
17 Oktober 2020 - 17:30

Aktuelle Nachrichten ! Es beginnt unspektakulär. Im Alltagslook betritt Ursina Lardi die Bühne, um sie sich erst einmal in Ruhe einzurichten. Geschäftig läuft die Schauspielerin hin und her im „Globe“ der Berliner Schaubühne, verteilt kommentarlos, aber mit großer Liebe zum Detail Familienfotos auf einem in der Ecke stehenden Flügel, platziert einen Kassettenrekorder in Rampennähe und beginnt schließlich, aus ihrem Leben zu erzählen. Oder – wie das so ist mit den fiktionalen Überformungen der eigenen Biografie im Gegenwartstheater – aus dem, was das Publikum dafür halten soll. Wer weiß das schon. Im Plauderton berichtet Lardi von der Schweiz, wo sie aufgewachsen ist, dreht eine verbale Ehrenrunde über den Alpen, unterstellt dem Publikum, dass es sich sicherlich frage, worum es an diesem Abend überhaupt geht, und ist irgendwann bei einem Pferderennen. Ein Ereignis mit prägender Wirkung auf seine Augenzeugin und dramaturgischem Signalcharakter fürs Publikum, denn ein Pferd starb dabei. Wir sind also bei den letzten Dingen in Milo Raus und Ursina Lardis Abend „Everywoman“, der im Sommer bei den Salzburger Festspielen uraufgeführt wurde und jetzt in der koproduzierenden Schaubühne angekommen ist. Inspiriert ist diese „Jedefrau“ selbstredend von ihrem männlichen Pendant, Hugo von Hofmannsthals „Jedermann“, einem Klassiker der Dramengeschichte. Aber es geht hier nicht um theatrales Empowerment. Die weibliche Überschreibung männlicher Kanonfiguren – eine zurzeit ja durchaus beliebte Bühnenpraxis – ist ausdrücklich nicht das Thema des Abends.Eine konkrete Auseinandersetzung mit dem Sterben„Eine Moral kann ich nicht abliefern“, wendet sich Lardi vielmehr gegen jedwede klare Bühnen-Ansage überhaupt. „Heute und hier kann ich diese Dienstleistung nicht erbringen“, ergänzt sie – um anschließend aus dem Modus des absichtsvollen Mäanderns leider kurz ins tatsächliche Raunende abzudriften. Eine Bewegung, die dem Abend generell nicht fremd ist: „Wir brauchen eine ganz andere Erlösung.“ Fakt indes ist: Lardi, die den Text zusammen mit dem Regisseur Milo Rau entwickelt hat, nutzt den „Jedermann“ als Sprungbrett für eine sehr konkrete Auseinandersetzung mit dem Sterben. Die Vorlage dient dabei eher als lockere Motivlieferantin, sozusagen als Jederstoff, der ja vom Geld über den Glauben bis zum Tod praktisch alle vorletzten und letzten Dinge gebührend behandelt.[Wenn Sie aktuelle Nachrichten aus Berlin, Deutschland und der Welt live auf Ihr Handy haben wollen, empfehlen wir Ihnen unsere App, die Sie hier für Apple- und Android-Geräte herunterladen können] urban.cmd.push( function() { urban.display('medrect2'); }); var Criteo = Criteo || {}; Criteo.events = Criteo.events || []; Criteo.

Source: Nachrichtenews.com

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Source = nachrichteNews.com

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